Die Nachfolge und ihre Tücken. Warum das Loslassen so schwer fällt.

Eine Vielzahl von Statistiken suggeriert, dass ein ungeheuer grosses Potential für die Begleitung von Nachfolgeregelungen bei KMU in der Schweiz besteht. Wer sich mit diesem Thema im Detail auseinandersetzt, stellt fest, dass vorwiegend Unternehmen zum Verkauf stehen, die dem Klischee einer klassischen Nachfolgeregelung nicht entsprechen. Ich meine damit die Stabübergabe nach langer, erfolgreicher Geschäftstätigkeit an die nächste Generation.

Es fällt vielen schwer, das eigene Unternehmen in andere Hände zu übergeben. Es gibt Unternehmer und Unternehmerinnen, die sich sogar öffentlich dazu bekannt haben, dass sie erst durch die «Vertrauensfrage» eines ihrer Kinder hätten loslassen können. Wobei «Vertrauensfrage» etwas milde klingt. Sie meinten, es wurde ihnen förmlich die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt, dass ihr Kind nur dann weiter im Unternehmen bleibe, wenn es dieses kaufen und ab sofort die operative und strategische Führung übernehmen dürfe.

Familie

Familienintern kann der Druck eines der Familienmitglieder helfen, den längst fälligen Schritt zu wagen. Wenn weder Kinder noch nähere Verwandte das Unternehmen übernehmen möchten, ist bei kleineren Unternehmen häufig zu beobachten, dass die Geschäftstätigkeit über einen längeren Zeitraum stetig heruntergefahren wird. Das Unternehmen verschwindet eines Tages vollständig vom Markt. Bei mittleren Unternehmen wird – meist verspätet – eher eine Lösung über einen Broker angestrebt, um einen möglichst hohen Betrag zu lösen.

Loslassen können

Wo liegen die Hürden beim Loslassen? Ganz einfach: Angst vor Identitätsverlust und finanzieller Notlage. Es ist nicht einfach, gegen diese Furcht anzukämpfen. Hinter dem Gedanken, ein Unternehmen aufzubauen, stecken mehr als rein wirtschaftliche Ziele. Die Identifikation mit dem, was man als Beruf ausübt, ist bei Unternehmern und Unternehmerinnen stark ausgeprägt. Gerade deshalb fürchten sie, bei einem vollständigen Rückzug ins Privatleben, auch einen Teil ihrer eigenen Identität zu verlieren. In der Wirkung nach aussen kann hie und da der Status eine Rolle spielen. Ich erachte den Einfluss des Statusverlustes in der Entscheidungsfindung als eher gering. Mit fortgeschrittenem Alter, kümmert es die meisten immer weniger, was andere über sie denken. Wenn sie auf ihr Leben zurückschauen, haben sie aber den Baum, den sie einmal selbst gepflanzt haben, gerne in ihrem eigenen Garten.

Aktuelles Zinsumfeld

Die Angst, in eine finanzielle Notlage zu geraten und dies im hohen Alter, ist mehr als begründet. Im aktuellen Zinsumfeld bedeutet viel Bargeld zu bekommen nicht immer ein Segen. Wer möchte schon aufs Jahr genau ausrechnen, wie lange er oder sie ohne fremde Unterstützung noch auskommt. Das Eigenheim ist vielen lieb und teuer. Was, wenn das vorhandene Vermögen und die laufenden Einkünfte eines Tages nicht mehr reichen, dieses zu finanzieren? Was, wenn eine allfällige Krankheit die ganze Situation zusätzlich belastet?

Ich plädiere für keine einfachen Antworten, sondern sorgfältig geprüfte und massgeschneiderte Nachfolgelösungen. Aus Gründen der Ethik ist es mir ein Anliegen, ebenso für die investierende Partei eine faire Lösung zu finden. Die Nachfolgeregelung soll für beide Seiten befreiend und motivierend zugleich wirken. Es gilt Acht zu geben, dass berufliche und private Bedürfnisse angemessen berücksichtigt und auch nicht-monetäre Aspekte ihren Platz in der Beurteilung finden.